Worte, die unter die Haut gehen

Tattoos erzählen Geschichten. Geschichten über das Leben in all seinen Schattierungen. Sie erzählen von Freude und Verlust, Liebe und Schmerz. Tattoos machen sichtbar, was Menschen bewegt. Der Story-Walk „Worte, die unter die Haut gehen“ zeigt Tattoos, die von biblischen Texten inspiriert wurden. Es sind Bibelworte, die kunstvoll unter die Haut gehen. Worte, die unter die Haut gehen, weil sie begleiten, trösten, ermutigen.

Bei einer Vernissage am 8. Juli 2026 um 16:30 Uhr im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e. V. wird die interaktive Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Sie sind eigeladen dabei zu sein und die persönlichen Storys hinter den Tattoos zu hören.

Ab September 2026 kann der Story-Walk bei midi ausgeliehen werden. Weitere Informationen dazu sind ab Juli hier zu finden.

Die Vision dahinter

Mit dem Projekt „Worte, die unter die Haut gehen“ sollen Menschen Zugang zu Bibeltexten bekommen bzw. sich intensiver mit biblischen Inhalten auseinandersetzen. Tattoo-Fotos, Stories und Bibeltexte sollen so aufbereitet werden, dass Einzelpersonen und Kleingruppen angeregt werden, sich damit auseinanderzusetzen. Daraus soll ein interaktiver und crossmedialer Story-Walk entstehen, der im Sozialraum und Gemeindekontext zum Einsatz kommen kann.

Tattoos & Popkultur

„Popkultur“ bezieht sich auf die Aspekte des Alltagslebens, die von einer breiten Masse konsumiert und geteilt werden. Unter „Popkultur“ versteht man Kulturgüter, Erzeugnisse oder künstlerische Ausdrucksformen, die von einem großen Teil der Gesellschaft konsumiert und als relevant oder beliebt angesehen werden. Popkultur spiegelt die Interessen, Vorlieben und Trends einer Gesellschaft wieder.1

Dies alles trifft auf Tätowierungen zu! Mit Tattoos bringen Menschen unterschiedlicher Milieus und unterschiedlichen Alters zum Ausdruck, was ihnen wichtig ist. Tattoos erzählen Geschichten. Tätowierungen sind als Kunstform in der Gesellschaft anerkannt und sie sind eine popkulturelle Ausdrucksweise.

Tattoos & Bibel

Die Bibel ist noch immer das meistverkaufte Buch, allerdings wird diese nicht sonderlich viel gelesen. Zwei Drittel der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren (64%) liest laut KMU 62 nie in der Bibel. Die Anzahl derer, die täglich in der Bibel lesen, sank in den letzten zehn Jahren von 3,1% auf 2%. Der Anteil derer, die zwei- bis viermal pro Monat Bibel lesen, sank von 12,9 auf 5%. Vor dem Hintergrund, dass die Bibel elementarer Bestandteil des christlichen Glaubens ist, sind diese Befunde ernüchternd.

Gleichzeitig gibt es Menschen, die sich aufgrund eines Bibeltextes etwas bestimmtes tätowieren lassen. Es gibt Tattoos, die einen Bibelvers zur Grundlage haben. Oder anders gesagt: Bibelworte können zu Worten werden, die unter die Haut gehen. Worte, die begleiten, die erinnern, ermutigen, ermahnen, hoffen lassen. Hier trifft Bibel auf Popkultur.

Tattoos & Leutetheologien

Tattoos, denen ein Bibelwort zugrunde liegt, sind immer Interpretationen. Entweder die tätowierte Person oder der/die Künstler:in veranschaulichen damit etwas. Mit Tattoos werden Bibeltexte gedeutet. Tattoos sind eine Ausdrucksweise von „Leutetheologie“. Leutetheolog:in ist jeder Mensch, der sich Gedanken macht über Gott oder Bibeltexte und diese Gedanken auf irgendeine Weise reflektiert.Die katholische Theologin, Monika Kling-Witzenhausen schreibt:

Leutetheologien als implizite Theologien haben ihren Ort im alltäglichen Leben. Denn gerade in religiösen wie nichtreligiösen Äußerungen sowie in alltäglichen Handlungsvollzügen scheinen Vorstellungen, Einstellungen und Erfahrungen zu Gott und dem eigenen Leben auf. Hier mitten im Alltag wird implizit Theologie betrieben.3

Mit einem Tattoo, das sich auf einen Bibeltext bezieht, wird diese implizite Form der Theologie nach außen sichtbar gemacht. Hierbei trifft Leutetheologie auf Popkultur.

Doppeldeutigkeit

Das Projekt „Worte, die unter die Haut gehen“ möchte die drei Dinge: Popkultur, Bibel und Leutetheologie miteinander verbinden. Dabei schwingt die Doppeldeutigkeit mit: Einerseits, weil das Tattoo in die Haut gestochen wird, unter die Haut geht. Andererseits, weil das Bibelwort zu einem Wort werden kann, das einem unter die Haut geht, indem es begleitet, tröstet, ermutigt.

Foto von Björn Büchert

Björn Büchert

Referent für Innovative Bibeldidaktik

Fußnoten

  1. https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/popul%C3%A4re-kultur
  2. https://www.mi-di.de/publikationen/zukunft-ist-jetzt
  3. Kling-Witzenhausen, Monika, Was bewegt Suchende? Leutetheologien – empirisch-theologisch untersucht, Stuttgart 2020.