Digitale Verkündigungsformate während der Corona-Krise

16. Juni 2020 | Daniel Hörsch | midi

Eine Ad-hoc-Studie im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland

Die evangelischen Kirchen in Deutschland haben sich während der Corona-Krise äußerst beweglich, kreativ, flexibel, kurzum: reformfähig gezeigt, wofür die Vielzahl an digitalen Verkündigungsformaten während der Corona-Krise ein Ausdruck sind. Ad hoc aus der Not geboren und auf die Beine gestellt, wurden sie vom 13. März bis Pfingsten zur „neuen Normalität“ in außergewöhnlichen Zeiten.

Das EKD-Kirchenamt beauftragte midi Ende April mit dieser Studie, die die digitalen Verkündigungsformate während der Corona-Krise untersucht. Damit war das Ansinnen verbunden, im Übergang vom sogenannten „Lockdown“ zu gelockerten Möglichkeiten im Alltag zeitnah die disruptive digitale Transformation empirisch in den Blick zu bekommen.

Mit der nun vorliegenden Auswertung der Ad-hoc-Studie werden die empirischen Ergebnisse dieser Erhebung und deren Anlage vorgestellt sowie Einsichten, Fragestellungen und Ausblicke gegeben, die sich aus der Interpretation der empirischen Ergebnisse für die evangelische Kirche und ihre kirchliche Praxis ergeben.

Zur Anlage der Studie

Gefragt wurde nach digitalen Verkündigungsformaten

  • Gottesdienste, die digital angeboten wurden. Darunter fielen Formate, die sowohl live ausgestrahlt wurden wie auch Formate, die aufgezeichnet und zeitversetzt angeboten wurden, was in derselben Weise auch für
  • Andachten galt, die digital angeboten wurden.
  • Andachtsähnliche Formate, die digital angeboten wurden und die sich dadurch von den digitalen Andachten unterschieden, dass sie eher einen Impulscharakter hatten und ohne eine liturgische Rahmung auskamen.

Zentrale Ergebnisse

Es hat einen Digitalisierungsschub während der Corona-Krise in der evangelischen Kirche gegeben: 81 % gaben an, dass sie ein digitales Verkündigungsformat angeboten hatten. Der Digitalisierungsschub ist nachhaltiger Natur: 78 % der Teilnehmenden gaben an, dass sie durch die Corona-Krise „digitalisiert“ wurden. Die Digitalität ist in der Breite der Landeskirchen angekommen.

Die Corona-Krise hat in der Evangelischen Kirche einen Digitalisierungsschub ausgelöst

Der Digitalisierungsschub wirkt nachhaltig: 72 % gaben an, die digitalen Verkündigungsformate auch nach dem „Lockdown“ fortführen zu wollen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass künftig vermehrt mit hybriden Formaten der Verkündigung zu rechnen sein wird.

Es hat eine spürbare Ausdifferenzierung der digitalen Verkündigungsformate stattgefunden. Zwar wurde im Konzert der Verkündigungsformate der Gottesdienst am häufigsten angeboten. Absoluten Zahlen nach überwiegen allerdings die digitale Andacht und das digitale andachtsähnliche Format, die zusammengenommen 60 % der digitalen Verkündigungsformate ausmachen.

Ebenfalls hat bei den Plattformen und Medien, mittels derer die Verkündigungsformate digital vermittelt wurden, eine signifikante Ausdifferenzierung stattgefunden: Die Angebote auf der Webseite (Textdokumente) nahmen erheblich (-25 %) ab. 60,7 % der digitalen Verkündigungsformate während der Corona-Krise wurden über klassische soziale Plattformen angeboten. Das entspricht einem Zuwachs im Vergleich zu der Zeit vor der Corona-Krise um 41,5 %.

Nachfrage-Boom: Die (digitale) Gottesdienstbesucherzahl stieg während Corona um 287 %

Während der Corona-Krise war ein deutliches Mehr an Verkündigungsformaten im Vergleich zu der Zeit vor Corona feststellbar. Insgesamt erzielten die digitalen Verkündigungsformate in den vier Landeskirchen eine Reichweite von 6.548.279.

Mit Blick auf die durchschnittliche Gottesdienstbesucherzahl an einem normalen Sonntag vor der Covid-19-Pandemie und während der Corona-Krise ist ein Zuwachs von 287 % zu verzeichnen, weshalb von einem Nachfrage-Boom gesprochen werden kann.

39 % der Teilnehmenden gaben an, dass Interaktionen und Beteiligungen möglich waren. Es war hierbei vor allem die liturgische Beteiligung (Mitsingen, Mitbeten). Auf Interaktivität verweisende Möglichkeiten wie der Live-Chat wurden von 1/4 und das Einbringen von Gebetsanliegen von 1/3 angeboten. Das digitale Abendmahl wurde von 12 % gefeiert.

Digitale Verkündigungsformate sind eine Teamleistung

Die Digitalität fördert das Priestertum aller Gläubigen: die digitalen Verkündigungsformate sind eine Teamleistung. 64,9 % der Teilnehmenden gaben an, dass sie die Formate im Team produziert haben. Mehr als die Hälfte gab an, dass dabei bis zu drei Ehrenamtliche oder Engagierte aus der Gemeinde beteiligt waren. 65,4 % der Teilnehmenden gaben an, dass an der Produktion Personen mit praktischen Erfahrungshintergründen in der Digitalität beteiligt waren.

Die Digitalität fordert die Verkündigung heraus: erste Annäherungen der Formate an Charakteristika und Logiken der Digitalität konnten durch die Studie nachgewiesen werden.

Mit der Digitalität erschließen sich für die evangelische Kirche neue glokale Horizonte.