Von Gott posten

30. Januar 2020 | Louisa Winkler | midi

So war die 1. Christliche Social Media Night in Berlin

Kirche, Kicker, Kaffeebar

Das ICF in Tempelhof ist ein typischer Berliner Ort – außen Fabrikgebäude, innen Hipster. Am 25. Januar war die Freikirche Schauplatz der 1. Christlichen Social Media Night, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Jugendevangelisation (AGJE) aus dem Netzwerk der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD).

Das Event war Abschluss und Höhepunkt des AGJE-Forums „Social Media & Jugendevangelisation“. Dort trafen Jugendreferent*innen und bekannte Gesichter aus Social Media (wie Jana Highholder oder Theresa Brückner) auf 30 junge Menschen, die ihren Glauben online teilen wollen.

Warum Jugendevangelisation auf Social Media?

„Weil alle Jugendlichen darauf abhängen. Wir erreichen sonst kaum noch jemanden“, begründen die Veranstaltenden.

Junge Menschen, die auf Instagram oder YouTube über Gott und Glauben sprechen, verstehen etwas vom Medium. Sie beherrschen die Technik, die Sprache, die Ästhetik. Und sie haben Spaß daran. Jedoch fühlten sie sich z.B. von den Seelsorge-Anfragen, die teils als Reaktionen auf ihre Postings kämen, manchmal schlichtweg überfordert, so Björn Knublauch, 1. Vorsitzender der AGJE.

Auf dem Forum konnten die Jugendlichen sich mit Mitarbeitenden aus der christlichen Jugendarbeit über solche Situationen austauschen und vom theologischen Know-how der „Offline-Influencer“ profitieren. Ziel dabei war: Voneinander lernen und gemeinsam dazu beitragen, dass Menschen von Jesus erfahren.

Hier sind die Jugendlichen, die die EKD erreichen will, die Bock haben, über Gott zu reden.

… verrät eine Referentin des Forums, die den jungen Leuten Input zu Reichweitenstrategien und Crowdsourcing gegeben hat. Auf kirchlichen Fachtagungen werde oft davon gesprochen, was alles nicht gehe. Auf dem AGJE-Forum machte die Referentin eine andere Erfahrung: „Die Kids wollen rausgehen, sie wollen wissen: Wie können wir viral evangelisieren?“.

Wie machen's die Influencer*innen?

Die 1. Christliche Social Media Night hat christliche Influencer*innen auf die Bühne geholt und sie gefragt, was sie auf ihren Kanälen machen und wovon es auf Instagram, YouTube oder TikTok mehr geben sollte. Hier kommen die wichtigsten Antworten im Schnelldurchlauf.

Was macht Sem Dietterle?

Der Jugendpastor der Evangelischen Gemeinschaft München hatte kaum noch Kontakt zu den Jugendlichen seiner Gemeinde, weil diese die herkömmlichen Jugendangebote nicht mehr in Anspruch nahmen. Da kam ihm die Idee, jede Woche ein Video zu einem Glaubensthema aufzunehmen und es seiner Jugendgruppe via WhatsApp zu schicken, um sie auf diese Weise geistlich begleiten zu können. Das Format kam so gut an, dass Sem damit auf Instagram ging. Seine Zielgruppe ist weiterhin die Gemeinde, Feedback für die wöchentlichen Videos bekommt er oft ganz analog.

Was macht Theresa Brückner?

Theresa hat im Theologiestudium damit angefangen, auf Instagram zu erklären, womit sie sich im Studium befasst und was es für sie heißt, in der Kirche eine Heimat zu haben. Heute hat sie eine Pfarrstelle für den digitalen Raum in der EKBO und teilt ihren Alltag mit einer großen Community auf Instagram, YouTube und Facebook. Theresa ist es wichtig, die Sprache der Leute zu sprechen und zu verstehen, die mit der Kirche nicht hochverbunden sind. Für diese Zielgruppe will sie auf Social Media ein Erstkontakt zur Kirche sein. Hin und wieder besuchen Follower*innen sogar ihre analogen Gottesdienste in Berlin-Tempelhof.

Was macht Jana Highholder?

Die Medizinstudentin findet „Wenn wir auf Social Media alles teilen, warum dann nicht die beste Botschaft der Welt?“. Jana steht als YouTuberin mit „christusbezogenen Inhalten“ stark in der kirchlichen Öffentlichkeit, da bleibt Kritik nicht aus. Sie musste lernen, sich persönlich von Hasskommentaren abzugrenzen. Jana betet für Videos, die heiß diskutierte ethische oder theologische Fragen aufgreifen, bevor sie online gehen. Auf langen Bahnfahrten nimmt sie sich Zeit, auf die vielen persönlichen Nachrichten zu antworten, die sie zu Glaubensthemen erhält.

Was macht Kathrin Martin?

Social Media ist ihr Beruf. Kathrin betreut die Accounts von Bayern 1 und Jesus House. Mithilfe digitaler Kanäle kann sie Geschichten erzählen, die früher nur im Fernsehen und Radio liefen. Sie erlebt in ihrer Arbeit, dass auf Social Media Inhalte gefragt sind, die zum Nachdenken über den Sinn des Lebens anregen.

Mehr davon! Die Tipps der Influencer*innen

Feedback einholen

Wenn Sängerin Luna Simão in ihrer Instagram Story einen Bibelvers postet, nutzt sie interaktive Funktionen wie eine Abstimmung oder ein Fragefeld, um die Meinung ihrer Community darüber zu erfahren. Oft geht das Gespräch danach in den persönlichen Nachrichten weiter. „Diese Funktionen an der Story kann man mega nice benutzen“, sagt Luna.

Hasskommentaren mit Liebe begegnen

„Eine Frau hat im Pfarramt nichts zu suchen“ oder „Du bist der Teufel“ – solche Kommentare hinterlassen Spuren bei Theresa Brückner. „Wenn wir aufhören würden uns zu haten und Liebe rausschicken und das zusammen machen und Leuten zeigen, dass Kirche Heimat sein kann, das wäre mein Wunsch.“ Allzu oft käme Hatespeech von Menschen, die von sich sagen, dass sie Christ*innen sind. Für Neugierige oder die Presse, die Theresas Account aufmerksam folgen, werfe das kein gutes Licht auf die christliche Gemeinschaft. Ob unter YouTube-Videos oder politischen Facebook-Beiträgen: Wie wäre es, wenn Christinnen und Christen ganz bewusst mit positiven Kommentaren auf den Hass im Netz reagieren?

Gesicht zeigen

Ob jede Gemeinde auf Instagram sein muss, darüber gehen die Meinungen auseinander. Aber ausprobieren sollten sie es, findet Kathrin Martin. Dafür brauche es nicht immer eine allumfassende Social Media-Strategie. Christliche Gemeinden, Vereine oder Initiativen sollten einfach mal etwas ausprobieren. Es könne aber nicht nur darum gehen, Flyer abzufotografieren. Die Gemeinden sollten sich fragen: Was macht uns aus? Warum sollen Menschen zu uns kommen? Und damit präsentieren sie sich dann auf Social Media so, wie es zu ihnen passt. Den persönlichen vor Ort-Kontakt werden Instagram oder Facebook dennoch nicht ersetzen.

Mehr Humor

Die Macher*innen von 365 STEPS wünschen sich mehr humorvollen Social Media-Content. Es dürfe ruhig ein bisschen mehr Witz, Kreativität und Innovation im Spiel sein, wenn Gemeinden sich im Internet präsentieren. Dafür müsse man sich nicht zwingend am Hochglanzcontent von großen Gemeindebewegungen wie ICF oder Hillsong orientieren. Wie Kathrin Martin raten 365 STEPS Gemeinden dazu, zu schauen, welche Talente und Ideen sie mitbringen und damit auf ihren Social Media-Kanälen zu arbeiten.

Vermischtes

  • Predigten als Podcasts hochladen
  • Seelsorge-Accounts auf Social Media
  • Gemeinschaftsaktionen von christlichen Influencer*innen
  • Fortbildungen für Kirchenleitende zum Thema Social Media
  • Christliche Influencer*innen, die sich gesellschaftlich relevanten Themen annehmen (z.B. Nachhaltigkeit, Beziehungen, Bildung)

Wie geht es weiter?

Die 1. Christliche Social Media Night war für Teilnehmende und Veranstaltende gleichermaßen ein Erfolg. Aber wie geht es weiter?

  • Die AGJE hat einen Influencer-Pool zusammengestellt, den sie regelmäßig aktualisieren will. Dort erfährt man, wer sich zu welchen Themen auf welchen Social Media-Kanälen äußert.
  • Die AGJE gründet eine Social Media Online Academy zur Ausbildung von Teens und Jugendleiter*innen im Bereich Social Media.

Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel Digitale Kirche.