Was kann die Kirche von einem Freizeitpark lernen?

Interview

Andrea Ziegler und Thomas Schneeberger sind Seelsorger:innen in der Kirche im Europa-Park in Rust.

Hallo Andrea und Thomas! Fährt Gott gerne Achterbahn?

Andrea: Ich glaube, Gott fährt gerne und auch nicht so gerne Achterbahn. In der Schöpfungsgeschichte steht, dass Gott dem Menschen den Odem des Lebens in die Nase blies und so ist Gott für mich in jedem Angstschrei und in jedem Jubelschrei – und somit fährt er mal gern und auch mal nicht so gern Achterbahn.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Euch aus?

Thomas: Ich liebe diese bunte, vielfältige und spontane Arbeit hier im Park. So bunt wie die Menschen sind, die hier her kommen, so bunt ist auch unser Arbeitsalltag. Die Begegnung mit den Gästen, die aus unterschiedlichen Ländern kommen und unterschiedliche Sprachen sprechen. Die Begegnung mit den Mitarbeitenden, die auch aus ganz vielen Ländern kommen und die Begegnung mit all denen, die hier her kommen, um ihre Kinder taufen zu lassen, sich trauen zu lassen oder mit ganz anderen Anfragen zu uns kommen. Das macht Spaß!

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um Seelsorger:in in einem Freizeitpark zu sein?

Andrea: Ich glaube, um Seelsorger:in in einem Freizeitpark zu sein, muss man vor allen Dingen eins: gerne mit Menschen unterwegs sein und Menschen einfach gern haben.

Mit welchen Anliegen kommen die Parkbesucher:innen oder Mitarbeiter:innen zu euch?

Andrea: Menschen kommen mit ganz unterschiedlichen Anliegen zu uns. Zuallererst natürlich mit dem Wunsch nach Taufe, Hochzeit, Ehejubiläum oder ganz anderen Segenswünschen. Aber auch mit der Frage nach Trauerfeiern. Wenn Mitarbeitende sterben, feiern wir immer mit den Kollegen des Verstorbenen hier an einem Ort eine Trauerfeier. Und eine über Social Media ganz häufig gestellte Frage ist: Wo kann ich für einen verstorbenen Menschen, mit dem ich früher immer im Europa-Park war, eine Kerze anzünden? Es gibt nur einen einzigen Ort, an dem das möglich ist: vor der Jakobus Kapelle im Hotel Santa Isabel. Ich kenne inzwischen viele Menschen, die dort vorbei gehen, eine Kerze anzünden und erst dann in den Europa-Park gehen.

Was kann die Kirche von einem Freizeitpark lernen?

Thomas: Dieser Freizeitpark hat eine Vision: Menschen eine gute Zeit zu ermöglichen. Wir als Kirche, wir haben auch eine Vision: eine Vision von gelungenem Leben. Und daran mitzuarbeiten, das können wir lernen. Gastfreundschaft zu entwickeln, Menschen sein zu lassen, wie sie sind und in friedlicher Atmosphäre eine gute Zeit zu verbringen. Wenn uns das gelingt, ist ein Stück unserer Vision gelungen.

Danke für das Gespräch!