Ostersteine

27. Februar 2020 | Dr. Emilia Handke | Kirche im Dialog

Stärker als der Tod

Ostersteine als Zeichen der Hoffnung

Manch einer kennt die Elbstones – eine Facebook-Gruppe, die inzwischen auf über 26.000 Mitglieder angewachsen ist. Täglich kommen neue hinzu. Der Grundgedanke ist einfach:

Menschen bemalen Steine und legen sie irgendwo aus, um anderen Menschen eine Freude zu bereiten

– „Elbstones ist ein Lebensgefühl“, heißt es in der Beschreibung der Gruppe auf Facebook.

Ursprünglich kommt die Idee aus England, in Deutschland hat sie ihre Wiege im schleswig-holsteinischen Lauenburg.

Dieses Lebensgefühl hat unterschiedliche Facetten:

  • Zum einen verbindet man sich mit Menschen, indem man gemeinsam mit ihnen Steine bemalt – diese Tätigkeit ist nicht besonders voraussetzungsreich, fast jeder kann mitmachen.
  • Zum anderen verbindet man sich auch mit unbekannten Menschen, indem man über die Steine mit ihnen kommuniziert und auf kunstvolle Weise Symbole oder Botschaften in die Welt bringt, die einem selbst etwas bedeuten.
  • Wer einen solchen Stein findet, der fotografiert ihn und postet ihn dann in der Facebook-Gruppe, die auf der Rückseite des Steins angegeben ist. Mittlerweile existieren diverse Steingruppen, die Elbstones sind nur die bekannteste.

Ostersteine – eine Aktion aus der Nordkirche

Nachdem meine Kollegin Pastorin Julia Ahmed aus Segeberg in der Weihnachtszeit selbst einmal einen solchen Elbstone mit dem Bild einer Krippe gefunden hat, sprach sie mich daraufhin an.

Anfang Februar entwickelten wir dann eine nordkirchenweite Aktion, die inzwischen größere Kreise zieht.

Pastorin Dr. Emilia Handke (l.) und Pastorin Julia Ahmed (r.) haben die Ostersteine-Aktion ins Leben gerufen. Bild: Dr. Emilia Handke

Sogar aus Irland sind wir aufgrund eines Artikels in den Lübecker Nachrichten schon angerufen worden, auch in Berlin, Hessen, Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen sind Gemeinden dabei.

Die Aktion umspannt inzwischen die gesamte Fläche der Nordkirche: von Ost (KG Heringsdorf-Bansin auf der Insel Usedom) nach West (KG St. Clemens Büsum), von Nord (KG Quern-Neukirchen) nach Süd (KG Conow in Mecklenburg).

Der Stein ist ein urreligiöses Symbol.

Den theologischen Hintergrund bildet die simple Erkenntnis, dass der Stein ein urreligiöses Symbol ist. Zwei Beispiele aus der Tradition der Passionsgeschichte sollen an dieser Stelle genügen:

Der Stein ist weggerollt

Als die Jüngerinnen am Morgen des ersten Tages der Woche zum Grab Jesu eilten, um seinen Leichnam zu salben, war der Stein weggerollt – und das Grab leer. Der weggerollte Stein wurde zum Symbol der Botschaft, dass Gott – die Liebe – stärker ist als der Tod.

Aus einem Zeichen der Ohnmacht wird ein Zeichen der Hoffnung.

Die Steine werden schreien

Aber auch eine andere Stelle in der Bibel erzählt davon, dass die Steine das Potential in sich tragen, zu Botschaftern der Freude zu werden.

Paul Tillich versah dieses Potential in seiner Systematischen Theologie mit dem Begriff des „Offenbarungsmediums“. Als die Jünger nämlich über den Einzug Jesu in Jerusalem jubeln („Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“), wollen einige der Pharisäer, dass Jesus seine Jünger zurechtweist. Jesus aber antwortet: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ (Lk 19,40)

Diese Erzählung hebt das österliche Potential der Steine im Grunde noch einmal deutlicher hervor.

Macht mit, bringt den Stein ins Rollen!

Aufgrund dieser religiösen Anschlussfähigkeit des Symbols und der genialen Grundidee, über bemalte Steine mit einer Botschaft der Freude und Hoffnung mit Menschen in den Dialog zu kommen, laden wir Kirchengemeinden und Gläubige der gesamten Nordkirche (und darüber hinaus) dazu ein, in der Passionszeit eigene Hoffnungssteine zu gestalten und den „Stein damit ins Rollen zu bringen“.

Gelegenheiten dafür gibt es in jeder Gruppe einer Kirchengemeinde zu Hauf und auch darüber hinaus im Krankenhaus, in der Seelsorge und Diakonie oder wo auch immer – es ist eine elementare Anverwandlung des Ostergeschehens und ein Hoffnungszeichen für die Welt.

So bunt können die Ostersteine aussehen. Bild: Dr. Emilia Handke

Ostersteine herstellen in 5 Schritten

  1. Wenn man teilnehmen möchte, dann muss man sich zunächst Steine besorgen – die gibt es als Buntkies sogar in einigen Baumärkten. Man muss jedoch aufpassen, dass sie nicht beschichtet sind und dann ggf. abreiben.
  2. Um die Steine auf der Vorderseite mit einem Hoffnungszeichen (Bild, Symbol, Bibelvers o.ä.) zu bemalen, kann man Acrylfarbe benutzen, aber auch wasserfeste Stifte oder Acryllack.
  3. Auf die Rückseite kommt die Facebook-Gruppe „Ostersteine“ sowie der Hashtag #stärkeralsdertod – damit man sie bei Facebook oder Instagram entsprechend posten kann, obwohl natürlich auch eine analoge Teilnahme möglich ist.
  4. Anschließend müssen sie versiegelt werden mit Acryllack bzw. Klarlack, farblosem Nagellack oder Bootslack. Man sollte nichts auf die Steine kleben, um der Umwelt nicht zu schaden, und sie nirgendwo hinlegen, wo sich die Lacke lösen könnten (Wasser, Sand, Gebüsch).
  5. Idealerweise würden die Steine in den Ostersonntagsgottesdiensten an die Besucher*innen verteilt werden, so dass sie aus unseren Gottesdiensten heraus als Hoffnungszeichen durch die Welt wandern – so wie der Stern an Weihnachten. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Anklänge an Ostern gibt es so viele.

Facebook-Gruppe „Ostersteine“

Wenn ihr dabei seid und euch mit uns und euren Gemeindegruppen auf diese Weise auf Ostern vorbereitet, dann postet gerne Bilder von euren Steinen unter den Hashtags #stärkeralsdertod sowie #kircheimdialog bei Instagram oder in der Facebook-Gruppe „Ostersteine“ und werdet so Teil einer deutschlandweiten, österlichen Hoffnungsbewegung!

Titelbild: Dr. Emilia Handke