Tagungsbericht: „In gute Hände abzugeben.“
Diakonische Kirchenraum(um)nutzung
Wie können kirchliche Gebäude zukunftsfähig genutzt werden – sozial wirksam, wirtschaftlich tragfähig und theologisch verantwortet? Diese Frage stand im Zentrum des Fachtages „In gute Hände abzugeben”, der am 05. Februar 2026 in Kooperation mit dem Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) und der Evangelischen Bank stattfand.
Impulse der Keynote-Speaker:
- Dr. Thorsten Latzel (Präses der Evangelische Kirche im Rheinland) betonte: Kirche braucht neue Partnerschaften – ökumenisch, sozialräumlich und insbesondere mit der Diakonie. Ein „Nebeneinanderherlaufen“ sei nicht mehr tragfähig. Diakonische Kirchennutzung könne zum Schlüsselmodell für das Zusammenleben vor Ort werden.
- Johann Weiß (Universität Regensburg) zeigte faktenbasiert: Zwischen „Behalten“ und „Verkaufen“ existieren zahlreiche strategische Alternativen (Stiftung, Erbbaurecht, treuhänderische Modelle). Entscheidend sei nicht nur Wirtschaftlichkeit, sondern die soziale Wirkung im Quartier.
- Dr. Kerstin Menzel (Universität Leipzig) machte deutlich: Die soziale Reichweite von Kirchenräumen übersteigt heute ihre religiöse – mit hoher Relevanz für Nachhaltigkeit, Sozialraum und Demokratie. Sie präsentierte u.a. hybride Nutzungsmodelle als Weg, um religiöse und soziale Angebote zu verbinden.
- Jörn von der Lieth (Hilfswerk-Siedlung GmbH) strukturierte den Entscheidungsrahmen klar: strategisch sinnvoll – machbar – finanzierbar. Kirche und Diakonie bewegen sich dabei in einem Trilemma aus sozialen, ökonomischen und ökologischen Zielen, das es zu lösen gilt.
- Hans-Peter Daub (Dachstiftung Diakonie und Vorstandsmitglied des VdDD) formulierte den normativen Kern: Gebäude sind kein Selbstzweck. Zukunft entsteht dort, wo Kirche und Diakonie einen gemeinsamen Auftrag definieren und diesen strukturell zusammen umsetzen.
Ein Höhepunkt der Tagung bildete die Besichtigung des Paulusquartiers in Essen. Hier ist es gelungen eine denkmalgeschützten Kirche nicht nur ein Pflegewohnheim umzubauen, sondern das Gebäude zu einem Treffpunkt im Kiez zu machen und einen Gottesdienstraum zu erhalten.
Zentrale Learnings:
✔ Kirchliche Immobilien sind Gestaltungsräume, keine reinen Kostenstellen
✔ Soziale Wirkung muss systematisch in Investitions- und Entscheidungsmodelle integriert werden
✔ Nutzungserweiterung und Mischnutzung haben Vorrang vor Umnutzung durch externe Dritte bzw. Verkauf
✔ Nachhaltige Lösungen entstehen nicht isoliert, sondern in Partnerschaften
✔ Kirche und Diakonie brauchen gemeinsame Strukturen, nicht nur Kooperationen
✔ Gebäudeentwicklung ist Theologie in gebauter Form
Fazit:
Kirchliche Räume haben Zukunft – wenn sie gemeinsam gedacht, professionell entwickelt und konsequent am gesellschaftlichen Auftrag ausgerichtet werden.
Tagungsbericht vom Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD)
Tobias-B. Ottmar & Tobias Kirchhof