Aufhören kann man lernen
Prof. Dr. Sandra Bils ist Referentin für strategisch-innovative Transformationsprozesse bei midi und Herausgeberin der Exnovationstools exmove.
Frau Prof. Dr. Sandra Bils, viele begegnen dem Begriff Exnovation zum ersten Mal. Was ist das Wesentliche daran und warum braucht es dafür eigene Materialien?
Bils: Exnovation bezeichnet das strategische Beenden von Strukturen, Formaten und Angeboten, die ihre Wirksamkeit verloren haben. Was einfach klingt, ist in der Praxis eine der schwierigsten Aufgaben in Transformationsprozessen. Die meisten Organisationen sind auf das Anfangen und Weiterführen eingestellt. Beenden ist eine andere Kompetenz, mit eigener Psychologie, eigenen sozialen Dynamiken, eigenen institutionellen Widerständen. Genau dort fehlte bisher methodische Unterstützung: nicht beim Neuen, das kommen soll, sondern beim Alten, das gehen muss. midi hat mit exmove diese Lücke geschlossen.
Abschied und Verlust klingen nicht nach Gestaltungsspielraum. Wie verändern die exmove-Tools die Art, wie Menschen an Beendigungsprozesse herangehen?
Bils: Das ist vielleicht das Überraschendste. Viele gehen in einen Exnovationsprozess mit dem Gefühl, etwas aufgeben zu müssen. Die Materialien helfen, dieses Erleben zu differenzieren: Was ist tatsächlich Verlust? Was ist Entlastung, die sich nur wie Verlust anfühlt? Was wird möglich, wenn etwas aufhört? Das sind keine rhetorischen Fragen, denn die Methoden und Intervention schaffen ganz praktisch Wege, um genau das zu klären. Wo vorher oft Betroffenheit oder Lähmung war, entsteht Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit.
Die Toolbox umfasst fast siebzig Methoden. Wie findet man da einen sinnvollen Einstieg, ohne sich zu verlieren?
Bils: Die Toolbox ist nicht als Curriculum gedacht, das man von vorne nach hinten durcharbeitet. Jede Methode ist für sich einsetzbar und gleichzeitig lassen sich einzelne Ansätze auch modular kombinieren, um damit einen Workshoptag oder Prozess zu gestalten. Alle Tools sind nach Zeitbedarf, Gruppengröße und Online-Tauglichkeit erschlossen, dadurch findet man einfach, was zur konkreten Situation passt. Wer einmal mit einer Methode gearbeitet hat, versteht das Prinzip und navigiert von dort aus weiter. Der beste Einstieg ist ohnehin der Fall, der gerade auf dem Tisch liegt.
Für wen ist exmove gedacht und was setzt der sinnvolle Einsatz voraus?
Bils: Die Tools richten sich an alle, die Transformations-, Strategie- oder Moderationsarbeit gestalten und begleiten, egal ob in Gemeinden und Kirchenkreisen, in diakonischen Einrichtungen oder in ganz anderen Organisationen, die sich verändern müssen und wollen. Wir wissen sogar von Bildungseinrichtungen und Unternehmen, die mittlerweile exmove für ihre Kontexte nutzen. Eine spezifische Vorbildung braucht man für den Einsatz der Tools nicht, wohl aber die Bereitschaft, ergebnisoffen zu arbeiten. Wer allerdings exmove professionell in der Begleitung anderer einsetzen möchte und sich noch mehr Vertiefung wünscht, ist vielleicht bei der Multiplikationsweiterbildung richtig. midi bietet 2027 eine systematische Qualifizierung für alle an, die Exnovationsprozesse methodisch kompetent begleiten wollen. Dadurch soll langfristig ein Netzwerk an kompetenten Exnovationsbegleitenden entstehen.
Was empfehlen Sie jemandem, der jetzt Lust bekommen hat, das Material auszuprobieren?
Bils: Laden Sie sich einfach die Schnupperversion herunter. Bei dieser kostenlosen Testversion bekommen Sie einen echten Einblick in das Material, nicht als schmaler Teaser, sondern als vollwertigen Einstieg. Wenn Sie das Material überzeugt, empfehle ich aber in jedem Fall den Kauf der Vollversion, bei dem alle 70 Methoden, sowie vorbereitete Workshopabläufe zur Verfügung stehen.
Mein konkreter Rat: Nehmen Sie eine Situation aus Ihrer eigenen Praxis als Ausgangspunkt. Dann zeigt das Material, was es kann.
Die kostenlose Testversion sowie die Vollversion der exmove-Toolbox finden Sie unter exmove.de. Informationen zur Multiplikationsweiterbildung für Exnovationsbegleitende erhalten Sie ebenfalls dort.