Häufige Fragen

Grundlegendes & Motivation

Was ist ein Verständigungsort?

Ein Verständigungsort ist ein Ort oder Format, an dem Menschen mit unterschiedlichen Meinungen und Lebensrealitäten zusammenkommen, um miteinander zu reden und einander zuzuhören. Durch persönlichen Erfahrungsaustausch können Vorurteile abgebaut und verhärtete Fronten entspannt werden. Verständigungsorte sind in Methode und Format vielfältig, wie die Karte und die Praxisbeispiele zeigen. Als Initiative empfehlen wir, die Tipps für Verständigung zu beachten oder die Startbox-Methode zu nutzen.

Wieso engagieren sich Kirche und Diakonie dafür?

Kommunikation, Verständigung und Versöhnung sind tief in der DNA christlichen Glaubens verankert. Schon die Bibel ist voll von Streit und Spaltungen, zeigt aber immer wieder Wege zur Versöhnung – oft an konkreten Orten wie Tischen, Toren oder Brunnen. Aus dem christlichen Menschenbild und Werten wie Nächsten- und Feindesliebe heraus schaffen wir Räume, in denen alle Stimmen gehört werden und gegenseitiger Respekt gilt. Zudem bringen Kirche und Diakonie wertvolle Erfahrung mit: in Moderation, Seelsorge, der Gestaltung von Gemeinschaftsprozessen und der Haltung der Hoffnung. Gesellschaft aktiv mitzugestalten und den Zusammenhalt vor Ort zu stärken, ist seit jeher Anliegen von Kirche und Diakonie. Mehr dazu im Impulspapier „Geistliche und theologische Motive“.

Wieso brauchen wir Verständigungsorte?

2025 hat midi-Sozialwissenschaftler Daniel Forsch mit forsa eine repräsentative Umfrage zur Stimmungslage in Deutschland durchgeführt. Die Auswertung ergab: 82 % der Deutschen nehmen eine gefühlte Polarisierung der Gesellschaft wahr. Insbesondere bei polarisierenden Themen ist ein respektvoller Austausch kaum noch möglich. Orte, an denen sich Bubbles begegnen, werden immer rarer. Wenn wir solche Räume nicht gezielt stärken, droht das Gespräch komplett abzubrechen, Vorurteile verfestigen sich zu Feindbildern und der gesellschaftliche Zusammenhalt wie auch unsere Demokratie – die auf Kompromissen basiert – geraten ins Wanken. Verständigungsorte reagieren darauf: Sie brechen Filterblasen auf, schaffen persönliche Begegnungen, die Vorurteile abbauen und bieten Räume, um Konflikte zu bearbeiten.

Wer kann mitmachen?

Jedes Projekt, das kirchlich oder diakonisch getragen oder vernetzt ist, kann seine Angebote auf der Karte eintragen und sich im Bereich Für Veranstaltende an Tipps und Material bedienen. Ihr könnt Einzelveranstaltungen und Veranstaltungsreihen eintragen – oder eure Organisation, sofern ihr regelmäßig Verständigungsformate anbietet. Denkt daran, die Wort-Bild-Marke und den Hashtag #VerständigungsOrte in eurer ÖA zu nutzen, damit ihr als Teil der Initiative sichtbar seid.

Was ist das Ziel eines Verständigungsorts?

Das Hauptziel ist nicht der Konsens, sondern das wachsende Verständnis. Wenn Menschen am Ende eines Austauschs sagen: „Ich teile deine Meinung zwar immer noch nicht, aber ich verstehe jetzt besser, warum du so denkst“, ist enorm viel gewonnen.

Selbst aktiv werden & Formate umsetzen

Wie anfangen?

Ihr müsst das Rad nicht neu erfinden! Die Website bietet euch erprobte Werkzeuge, Vorlagen und Methoden. Zum Einstieg empfehlen wir die Tipps für Verständigung sowie die Schritt-Für-Schritt-Anleitung der Startbox. Alternative Formate lernt ihr in der Rubrik Praxisbeispiele kennen, unter Für Veranstaltende findet ihr eine Schatzkiste mit Impulsen & Methoden - die stetig ergänzt wird.

Wir haben wenig Zeit. Wie stellen wir so ein Format schnell auf die Beine?

Ehrliche Antwort: Vorbereitung braucht Zeit – und das ist gut so! Vorab viel zu reden, im Team zu planen und Klarheit für eure Ziele und die Methodik zu erlangen, stellt sicher, dass das spätere Gespräch gelingt. Der Aufwand lohnt sich. Wenn es schnell gehen muss, empfehlen wir, die fertige Methodik inkl. anpassbarer Materialien der Startbox zu nutzen oder eine externe Moderation einzukaufen.

Wie bringen wir verschiedene Bubbles zusammen?

Das ist nicht ohne - aber das A und O eines Verständigungsorts. Kurze Antwort: Indem ihr gemeinsam mit anderen und zielgruppenorientiert plant. Die Studienergebnisse zeigen, dass es vier Grundhaltungen in Deutschland gibt – wobei nur eine der Kirche nahesteht. Schließt euch deshalb mit zivilgesellschaftlichen Partnern zusammen und entwickelt gemeinsam Thema, Ort und Format passend zur Zielgruppe bzw. den Bubbles, die ihr beim Gespräch beteiligen möchtet. Konkrete Tipps zur Ansprache findet ihr im Handlungsleitfaden "Verständigungsorte zielgruppenorientiert gestalten".

Es soll nicht immer so schwer und ernst sein. Was empfiehlt ihr?

Verständigung darf leicht sein und Spaß machen! Begegnung klappt sehr gut über gemeinsame Aktivitäten – wie Kochen, Musik, Kultur oder kreative Einstiege. Klickt euch zur Inpsiration durch die Impulse & Methoden oder die Wir&Hier-Toolbox. Auf der Karte sind schon jetzt vielfältige Formate sichtbar: z. B. Kusel frühstückt, der Garten der Religionen oder die Lebendige Bibliothek Rottweil. Wenn ihr ein klassisches Dialogformat plant, achtet auf Wohlfühl-Elemente wie Snacks, angenehmes Licht, eine nicht-hierarchische Bestuhlung oder Snacks und Getränke.

Gibt es finanzielle Förderung?

Viele Landeskirchen, Kirchenkreise und Landesverbände unterstützen entsprechende demokratiefördernde Vorhaben. Eine formlose Anfrage lohnt sich! Lasst euch auch von den Fundraising- und Fördermittelbeauftragten eurer Landeskirche oder eures Landesverbands beraten. Und scheut euch nicht, Sponsor*innen zu suchen. Vor allem Unternehmen haben ein großes Interesse an einem guten Miteinander in ihrer Region und sind oft (anonym) bereit, Vorhaben zu unterstützen. Weitere Fördermöglichkeiten sind in der Rubrik Finanzierung verlinkt.

Haltung & Sicherheit

„Alles darf gesagt werden.“ Das klingt riskant – wie schützen wir das Format vor Eskalation?

Verständigungsorte sind nicht dafür da, um menschenverachtende Aussagen und Hass zu verbreiten. Das muss ganz klar benannt sein. Um einen möglichst geschützten Raum (Safer Space) zu schaffen, braucht es klare Spielregeln, gute Vorbereitung und erfahrene Moderation. In der Startbox sind ein geistliches Haltungstraining sowie ein Awareness-Leitfaden enthalten. Regelmäßig finden Coachings zu diesen Themen statt. Zur Beratung oder für Schulungen empfehlen wir die Initiative Awareness.

Vernetzung & Kontakt

Ich möchte mich mit anderen Engagierten austauschen. Wie geht das?

Aktuelle Termine für Austausch und Fortbildung findet ihr unter Coachings & Workshops. Schreibt uns gern, wenn ihr weiteren Bedarf habt - wir öffnen gern entsprechende digitale Räume.

Was hat das mit dem Hashtag #VerständigungsOrte auf sich?

Über den Hashtag machen wir das vielfältige Engagement in den sozialen Medien sichtbar. Wenn du eine Veranstaltung planst oder teilst, nutze #VerständigungsOrte! So vergrößern wir gemeinsam die Reichweite und zeigen, wie sich Kirche und Diakonie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt stark machen. Auf der Social Wall werden die vielen verschiedenen Beiträge auf der Website sichtbar. Lass dich inspirieren!

Die Karte ist nicht tagesaktuell – was zeigt sie an?

Unsere interaktive Karte wird kontinuierlich gepflegt. Sie zeigt nicht nur bevorstehende Einzeltermine, sondern auch vergangene Erfolgsmodelle sowie Institutionen und Orte, die regelmäßig Dialogformate anbieten. Sie versteht sich vor allem als Hoffnungszeichen und Mutmacher: Sie zeigt, wie viele Menschen deutschlandweit gemeinsam unterwegs sind!

Ich habe noch Fragen - wen kann ich kontaktieren?

Wir freuen uns über deine Nachricht! Kontaktiere die Ansprechperson in deiner Landeskirche bzw. deinem Landesverband oder schreibe an unsere zentrale Adresse verstaendigungsorte@mi-di.de.