Zukunftsorte: Was wird aus Kirchen und Gemeindehäusern?

Von Dr. Johannes Krug

Ein Impuls aus dem Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf (Sprengel Berlin)

Was wird aus den Kirchen und Gemeindehäusern? Sicher ist nur das: Wer sich heute noch darauf verlässt, dass sie mit Bauzuweisungen aus der Kirchensteuer schon irgendwie erhalten werden können, riskiert schon morgen oder spätestens übermorgen ihre Existenz. Mit immer weniger Gemeindegliedern und deutlich abnehmender Finanzkraft das gleiche Bauvolumen unterhalten und offen halten zu wollen, kann auf Dauer nicht gut gehen.

Ob das nun gefällt oder nicht: Die Gebäudebedarfsplanung hat sich von allein auf die Tagesordnung gesetzt. Wer Kirchen und Gemeindehäusern eine Zukunft geben möchte, kommt an ihr nicht vorbei. In der EKBO sind die Kirchenkreise gesetzlich zu ihr verpflichtet.

Eine EKD-weit verbreitete Lösungsstrategie ist die regionale Priorisierung von Gebäuden, z.T. wird dieser Ansatz mit einem Ampelsystem verbunden: Die Kirche bzw. das Gemeindehaus, das „grün“ eingestuft wird, darf bleiben – was „gelb“ ist, hat noch Chancen und „rot“ kann weg bzw. erhält keine Bauzuweisungen mehr. So naheliegend dieser Ansatz auf den ersten Blick zu sein scheint, so problematisch ist er bei näherem Hinsehen. De facto kann er zu einer doppelten Reformbremse werden. Es fehlt ein Anreiz, „grün“ eingestufte Gebäude weiterzuentwickeln (was mögliche Chancen verpasst), gleichzeitig könnten Gemeindeleitungen versucht sein, Gebäude im „roten“ Bereich vorschnell auf- bzw. abzugeben (anstatt möglichen Nach- bzw. Umnutzungsideen eine Chance zu geben).

Der Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf (Sprengel Berlin) hat sich daher für einen alternativen Weg entschieden. Das Ziel ist es, Anreize für „Zukunftsorte“ zu setzen.

Das sind die Voraussetzungen des Ansatzes:

Im Ergebnis ist es das Ziel, möglichst viele kirchliche Standorte durch „Nutzungspartnerschaften“ zu entwickeln. Es geht dabei auch (aber längst nicht nur) um eine finanziell nachhaltige Bewirtschaftung der Gebäude und Flächen. Im Kern geht es um viel mehr. „Nutzungspartnerschaft“ meint ein Zusammenwirken evangelischer Partner, es bedeutet eine evangelische Kooperation, die nicht nur im wechselseitigen Interesse der Beteiligten ist, sondern ausstrahlt in den Sozialraum. „Zukunftsorte“ sind partnerschaftlich genutzte und nachhaltig finanzierte Orte, an denen die beteiligten Einrichtungen gemeinsam für das evangelische Zeugnis einstehen und auf diese Weise ihrer Verantwortung für die Gesellschaft und Kultur gerecht werden. Wo das gelingt, ist eine Reform gelungen.

Dies sind die Bausteine einer Umsetzung des Ansatzes:

Der Weg des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf setzt auf die Bereitschaft der Gemeindeleitungen, aktiv die Standortentwicklung voranzubringen. Er bietet dafür Anreize und Unterstützung. Was er nicht bietet, ist eine Bestandsgarantie. Gemeindeleitungen haben die Freiheit, eigene Wege zu gehen. Beides, Freiheit und Verantwortung, liegen in ihrer Hand.

Noch ist der Beweis nicht erbracht, dass der hier skizzierte Weg erfolgreich sein wird. Doch zeigen erste Beispiele, dass sich mehr und mehr Gemeindeleitungen auf den Weg machen und dass es tatsächlich möglich ist: Standorte, die eine Gemeinde allein nicht erhalten könnte, gemeinsam mit evangelischen Partnern weiterzuentwickeln und damit Zukunftsorte zu gewinnen - für die evangelische Botschaft und für den Sozialraum gleichermaßen. Wir sind dran.