Worte, die unter die Haut gehen – Tattoo-Ausstellung geht an den Start
Interview
Björn Büchert ist Referent für Innovative Bibeldidaktik bei midi und Initiator der Ausstellung „Worte, die unter die Haut gehen“, die am 8. Juli im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e. V. eröffnet wurde. Der interaktive Story-Walk zeigt Tattoos, die von Bibeltexten inspiriert sind, und erzählt die persönlichen Geschichten der Menschen dahinter. Im Interview gibt Björn Büchert Einblicke in die Entstehung des Projekts und die Vision hinter der Ausstellung.
Hallo Björn! Wie würdest du das Projekt „Worte, die unter die Haut gehen“ in einem Satz beschreiben?
Worte, die unter die Haut gehen verbindet Bibel und Popkultur miteinander und möchte ausgehend von Tattoos einen innovativen Zugang zur Bibel schaffen.
Was hat dich auf die Idee gebracht, Tattoos und Bibel miteinander ins Gespräch zu bringen?
Die 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung hat uns erneut vor Augen geführt, dass immer weniger Menschen in der Bibel lesen. Tattoos hingegen sehen wir in unserem Alltag immer häufiger – in der U-Bahn, beim Einkaufen oder in der Nachbarschaft. Mir ist aufgefallen, dass es dabei auch Tattoos gibt, die einen Bibeltext zur Grundlage haben. Als Referent für Innovative Bibeldidaktik dachte ich, daraus lässt sich etwas machen.
Meines Erachtens trägt ein dogmatischer Ansatz wenig dazu bei, wenn es darum geht, Menschen Lust auf die Bibel zu machen. Ein narrativer Ansatz hat jedoch das Potenzial dazu.
Tattoos erzählen Geschichten. Sie machen sichtbar, was Menschen bewegt und was ihnen wichtig ist. Tattoos, die von einem Bibeltext inspiriert sind, zeigen, dass biblische Worte Menschen auch heute noch unter die Haut gehen. Den persönlichen Geschichten dahinter wollte ich Raum geben.
Wie wurde aus der ersten Idee schließlich ein Story-Walk?
Zunächst haben wir über die verschiedenen midi-Kanäle dazu aufgerufen, uns Tattoos zuzusenden, die von einem Bibeltext inspiriert sind. Daraufhin haben uns über fünfzig Einsendungen mit ganz unterschiedlichen persönlichen Geschichten erreicht.
Schon im Vorfeld hatten wir uns Gedanken darüber gemacht, wie wir die Tattoos und die Geschichten dahinter sichtbar machen können. Die Ideen reichten von einem Kartenset über Plakatwände bis hin zu einem Buch oder einer Social-Media-Kampagne. Schließlich war für uns klar: Die Tattoos brauchen Raum und müssen großformatig und analog gezeigt werden, damit sie ihre Wirkung entfalten können. Daraus entstand die Idee einer Ausstellung in Form eines interaktiven Story-Walks.
Der Story-Walk besteht aus sechs hochwertigen LED-Leuchtrahmen, die auf Vorder- und Rückseite mit insgesamt zwölf großformatigen Drucken bespannt sind. Jeder Druck zeigt ein Tattoo oder einen Text und enthält einen QR-Code.
Über die QR-Codes gelangen die Besucher*innen zu Videos, in denen die Menschen die persönlichen Geschichten hinter ihren Tattoos erzählen. Verschiedene interaktive Elemente laden außerdem dazu ein, selbst aktiv zu werden.
Nach welchen Kriterien habt ihr entschieden, welche Geschichten und Tattoos Teil der Ausstellung werden?
In einem kleinen Team haben wir uns alle Tattoo-Beiträge angeschaut. Entscheidend war für uns zunächst, dass den Tattoos tatsächlich ein Bibeltext zugrunde liegt und es sich nicht nur um ein christliches Symbol oder eine Liedzeile handelt. Nicht, weil diese Tattoos weniger bedeutsam wären, sondern weil es bei Worte, die unter die Haut gehen ganz bewusst um Worte aus der Bibel geht, die Menschen unter die Haut gehen.
Daneben spielten auch ästhetische Kriterien eine Rolle: Uns war wichtig, unterschiedliche Tattoostile zu zeigen und zugleich eine möglichst große Vielfalt an Bibeltexten abzubilden. So gab es beispielsweise vier Tattoos, die sich auf denselben Bibelvers bezogen. Da unsere Ressourcen für das Projekt begrenzt waren, mussten wir schließlich eine Auswahl treffen und haben uns auf sieben Tattoos beschränkt.
Gab es Geschichten, die dich besonders bewegt haben?
Da gab es einige. Mehr noch als eine einzelne Geschichte hat mich jedoch berührt, dass so viele Menschen bereit waren, ihre persönlichen Tattoo-Storys mit uns zu teilen. Es kostet Mut, sich vor laufender Kamera verletzlich zu zeigen. Jede einzelne Geschichte gibt Einblick in eine Biografie und zeigt, auf welch unterschiedliche Weise Bibelworte Menschen begleiten, ermutigen und trösten.
Am 8. Juli wurde der Story-Walk in Berlin im EWDE eröffnet. Wie geht es jetzt weiter?
Die Ausstellung kann nun bei midi ausgeliehen werden. Der Story-Walk ist so konzipiert, dass er an ganz unterschiedlichen Orten zum Einsatz kommen kann – im kirchlichen und diakonischen Kontext ebenso wie im Sozialraum.
Wir sehen viele Möglichkeiten, wie Menschen durch die Ausstellung einen [neuen] Zugang zur Bibel finden können: im Gemeindehaus oder Berufsschulzentrum, als Pop-up-Event in einem leerstehenden Ladenlokal, im Foyer einer diakonischen Einrichtung oder bei Hochschultagen.
Der Story-Walk ist selbsterklärend und kann von Besucher*innen ohne Anleitung erkundet werden. Darüber hinaus lässt er sich durch begleitende Formate ergänzen – etwa durch Führungen, Gottesdienste, Dialogräume oder Angebote für Schulklassen. Dafür stellen wir einen Ideenpool mit verschiedenen Methoden, Formaten und Entwürfen zur Verfügung.
Neben der Möglichkeit, die Ausstellung auszuleihen, können die Exponate des Story-Walks auch bei midi erworben werden – etwa für das eigene Werk, eine Landeskirche oder ein Bibelmuseum.
Was wünschst du dir, dass Besucherinnen und Besucher aus der Ausstellung mitnehmen?
Ich würde mich freuen, wenn der Story-Walk Besucher*innen dazu einlädt, einen Moment zu verweilen und sich auf die Geschichten und Inhalte einzulassen. Mein Wunsch ist, dass die Tattoo-Storys und die verschiedenen Interaktionen neugierig machen und dazu anregen, die Geschichten der Bibel [neu] zu entdecken.
Der Titel der Ausstellung lautet „Worte, die unter die Haut gehen“. Welches Bibelwort ist dir selbst in den letzten Jahren unter die Haut gegangen – und warum?
Es gibt ein einzelnes Wort, das mich seit einigen Jahren begleitet. Es lautet: μένω [ménō] und bedeutet übersetzt „bleiben“. In dem Ich-bin-Wort aus Johannes 15,1–10 sind die Worte „bleibt“ und „bleiben“ zehnmal zu finden. Jesus sagt: „Bleibt mit mir verbunden, dann bleibe ich mit euch verbunden.“
Ich erlebe immer wieder neu, was sich hinter der Wechselwirkung dieses Wortes verbirgt, und entdecke jahrhundertealte geistliche Übungen, die mich beim „Bleiben“ unterstützen. Vor wenigen Jahren ist mir das Wort μένω bei der Tätowiererin im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gegangen. Seitdem bewegt es mich nicht nur innerlich, sondern erinnert mich beim Blick in den Spiegel immer wieder daran, mit wem ich in Verbindung bleiben will.
Vielen Dank für das Gespräch!
Mehr erfahren & Ausstellung buchen: www.worte-unter-die-haut.de