arrow-down-thick arrow-down arrow-right burger close download email external facebook heart instagram magnifier marker pause pinterest play-arrow plus print resize-horizontal share snapchat thick-minus thick-plus tiktok twitter upload wrench youtube

Spirituelle Entscheidungsprozesse ermöglichen

Atempause

Schnell aufeinander folgende Redebeiträge. Der eine redet, der andere formuliert währenddessen schon in Gedanken Gegenargumente. Verstehen, Hören auf Gott und den andern – Fehlanzeige. Aber: „Gerade im Durchstoßen der menschlichen Gedanken-, Ideen und Tatenwelt, (…), zeigt sich das Wirken Gottes, auf das hin sich der Mensch in der Haltung geistlicher Aufmerksamkeit öffnet“ (Christian Rutishauser). Hier kann eine „Atempause“ unsere Sitzungskultur positiv verändern.

Anwendungshinweise

Vereinbarung Nach einer gemeinsam festgelegten Anzahl von Redebeiträgen wird immer ein kurzes Innehalten praktiziert.

Intention Die Pause verschafft den notwendigen Raum, das Gehörte vor Gott wahrzunehmen, aufzunehmen und die Intention dahinter zu verstehen. In der Haltung des Gebets wird über das Gehörte nachgedacht, Gott gefragt, was er durch diese Beiträge sagen will und was seine Gedanken dazu sind. Erst dann ist es zielführend, den eigenen Redebeitrag in Bezug darauf zu formulieren.

Verfahren Je nach Gremienkultur ist es sinnvoll, nach 3-5 Beiträgen zu pausieren. Nach einer Testphase mit gemeinsamer Bewertung legt das Gremium seinen passenden Rhythmus fest.

Pausenlänge Für die Länge der eingelegten Pause gilt die Faustformel: Etwa dieselbe Länge wie ein durchschnittlicher Redebeitrag, aber mindestens 2 Minuten. Anfang und Ende werden entweder vom Sitzungsleiter angesagt oder durch ein Tonsignal/Klangschale signalisiert.

Erfahrungen Generell wirken sich geistlich gestaltete Pausen positiv auf eine Sitzung aus. Abgesehen davon, dass ein Gremium spürt, dass sich im Miteinander Gottes Wege abzeichnen, wird auch die Erfahrung gemacht, dass sich die Sitzungszeit eher verkürzt als verlängert.

Hören, Unterscheiden, Antworten

„Zu beten hilft, gleichsam mit den Augen Gottes auf die anstehenden Probleme zu schauen“ meint Stefan Kiechle und fährt fort: „Das Gebet verändert den Reflexions- und Diskussionsprozess, und es öffnet für die Erkenntnis des Willens Gottes“. Diese Überzeugung liegt der folgenden Methode der Entscheidungsfindung zugrunde. Sie ist gedacht für Situationen, in denen es mehrere gleichwertig erscheinende Lösungsmöglichkeiten gibt.

Anwendungshinweise

Hintergrund Dieser Methode liegt ein Dreierschritt zugrunde:

  1. Hören auf die Sachlage, die Möglichkeiten, Gott.
  2. Unterscheiden als ein Nachsinnen vor Gott und innere Klarheit gewinnen.
  3. Antwort geben mit dem Treffen einer Entscheidung.

Start Geistliche Ausrichtung. Gebet um Offenheit für Gottes Reden und Stille.

Klärung Was steht zur Entscheidung an? Welche Alternativen gibt es? Haben wir Möglichkeiten übersehen?

Abwägen Zunächst wird im Gremium die erste Möglichkeit in den Blick genommen. Was spricht dafür? Was dagegen?

Zeit vor Gott Jedes Gremienmitglied (GM) fragt sich: Was wird mir wichtig? Was verliert an Bedeutung? Was kommt neu in den Blick? Habe ich darüber inneren Frieden? Entspricht es Reich-Gottes-Werten?

Resonanzrunde Jedes GM teilt kurz mit, was es wahrgenommen hat.

Wiederholung Für jede Möglichkeit werden die letzten drei Punkte wiederholt.

Entscheidung Das Gremium führt gemäß seiner Sitzungskultur einen endgültigen Entschluss herbei.

Abschluss Dank an Gott mit einem Gebet, Segen oder Lied.

Variation

Nacheinander erfolgt für alle vorliegenden Entscheidungsmöglichkeiten eine Phase des Abwägens, dann einmal die Zeit vor Gott und die Resonanzrunde.

Einmütige Entscheidungsfindung

Nach Böhlemann und Herbst muss jedes Gremium für sich abklären, wie es strukturell Glauben und Theologie in Entscheidungsprozesse einbindet. „Es soll ja keine Diskussion durch Gebet abgebrochen werden, aber es sollte auch keine wichtige Entscheidung ohne Gebet getroffen werden“. Bei dieser Methode geht es um ein argumentierendes, hörendes und betendes Abwägen von Gründen für oder gegen einen Lösungsvorschlag.

Anwendungshinweise

Information Der Moderator informiert das Gremium umfassend über die Fragestellung, stellt Chancen und Schwierigkeiten des Lösungsvorschlags dar. Es schließt sich eine Zeit für Rückfragen an.

Gebetsstille Alle Gremienmitglieder (GM) gehen in die Stille und suchen das Gebet. Jeder bringt seine Fragen, Kritik, Begeisterung oder Ablehnung zunächst vor Gott und kommt mit ihm darüber ins Gespräch.

Resonanzrunde Jedes GM teilt reihum seine Gedanken aus der Stille mit. Keiner bezieht sich dabei auf den Vorredner, es wird nicht philosophiert, theologisiert oder gar belehrt. Die Zuhörenden versuchen zu verstehen, was Gott durch diese Person allen zu sagen hat. Keiner kommentiert das Gesagte. Der Moderator achtet auf die Einhaltung dieser Regeln.

Diskussion In der Diskussion darf und soll es engagiert zugehen, solange jeder dem anderen mit Respekt begegnet. Werden im Diskussionsverlauf Unklarheiten deutlich, wird der Moderator diese Punkte schnellstmöglich klären.

Entscheidung Oft zeichnet sich am Ende dieses Prozesses eine Entscheidung ab. Angestrebt wird Einmütigkeit: alle können die Entscheidung mittragen, auch wenn einige noch innere Vorbehalte haben. Ist dies noch nicht möglich, sollte der Gesprächsprozess von neuem beginnen.