Maskenpflicht: Was in uns steckt

27. Mai 2020 | Hans-Hermann Pompe | midi / AMD

Haben Sie schon Ihr Modell gefunden, den passenden Mund-Nasen-Schutz? Schutzmaske ist an vielen Stellen Vorschrift, egal ob aus Zellstoff für Einmalgebrauch, ob als FFP 2 oder 3, wenn sie überhaupt erhältlich oder bezahlbar sind.

Die meisten begnügen sich – wie ich – mit einem selbstgenähten Mund-Nasen-Schutz. Eine der Nähanleitungen aus dem Internet, dazu abgelegte Baumwollstoffe, ein Gummiband, und nach etwas Herumprobieren passte es dann irgendwie.

Dieses Maskentragen ist durchaus mühsam

Man versteht sich schlechter. Unter der Maske fällt das Atmen schwer. Die Luft wird warm, die Brille beschlägt. Die Sauberkeitsregeln zum Auf- und Absetzen sind kaum einzuhalten, wenn Einkaufswagen, Parkmünze, Börse, Kasse und Lebensmittel gleichzeitig bewältigt werden sollen. Und Fragen folgen: Wie oft bei welcher Temperatur waschen? Wer kann sich die teuren wirksameren Masken denn leisten? Wohin mit den Bergen von Abfall? etc.

Und ja, die Wirksamkeit vieler Masken bleibt relativ. Die selbstgenähte Baumwollmaske jedenfalls schützt mich nicht vor Viren, aber immerhin minimiert sie wohl die Gefahr für andere, in deren Nähe ich atme oder rede und meine Atemtröpfchen verbreite. Weiß ich denn, ob ich nicht längst Corona-Viren verbreite, Ansteckungsträger bin? Dann wären mein Mund, meine Worte, meine Aerosole gefährlich für andere.

Gott und Reinheit

Jesus benutzt das Bild der gefährlichen Wirkungen in einer Diskussion über Reinheit. Die Theologen seiner Zeit hatten klare Regeln, was man anfassen und zu sich nehmen darf und was auf keinen Fall. Ein hoch komplexes Regelwerk von Sauberkeits- und Essensgeboten stand bereit. Es machte den Alltag schwierig, förderte aber das Gefühl, korrekter als die anderen und Gott wohlgefälliger zu sein. Denn Gott will Reinheit, soviel war klar. Die Gefahr kommt von außen, also halte dich möglichst sauber.

Jesus drehte den Spieß um: Innen liegt das Problem.

„Nichts, was der Mensch von außen in sich aufnimmt, kann ihn unrein machen. Nur was aus ihm herauskommt, macht ihn unrein.“

Und als seine Schüler nachfragen, präzisiert er. „Was du isst, geht durch den Magen - kein Problem. Aber was aus deinem Herzen, aus deiner Personmitte kommt, ist das Problem. Da entstehen z.B. böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Betrug, Neid, Verleumdung, Überheblichkeit ...“ (nachzulesen in Markus 7,1-23).

Nur zur Klarheit: Viren vermeiden ist etwas anderes als böse Gedanken unterlassen. Die Maskenpflicht wird durch das Infektionsschutzgesetz abgedeckt und ist gerichtlich mehrfach als zulässig bestätigt worden.

Die eigene Meinung allerdings darf jedermann und jedefrau sagen, für die schlechten Tendenzen unseres Inneren sind also wir verantwortlich.

Meine Personmitte braucht einen geistlichen Schutz, damit ich meine Umgebung weder verpeste noch beschädige.

Damit ich kein Schaden, sondern ein Segen für meine Umgebung bin. Ich brauche – mit den Worten der Bibel – ein neues Herz, brauche eine veränderte Personmitte, die nur Gottes Geist schaffen kann.

Die Pandemie stellt uns in Hoffen, Denken und Verhalten radikal in Frage.

Was mich das mühsame Maskentragen vielleicht lehren kann

  • Ich selber bin verantwortlich, dass möglichst niemand durch mein Verhalten gefährdet wird. „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses“, sagt Paulus (Römer 13,10). Liebe trägt also Maske zum Schutz der anderen.
  • Was ich von mir gebe, kann enorme Wirkungen haben. Auch Gedanken, Worte und Taten können auf ihre Weise gefährlich sein wie Viren. Jesus schenkt ein realistisches Selbstbild, zu was ich fähig bin, und wo Gottes Geist mich verändern muss.
  • Manchmal ist Schweigen besser als immer reden oder sofort Digitales von mir geben. Nicht ohne Grund haben wir zwei Ohren, aber nur einen Mund. Wenn ich mehr zuhöre, wäre schon viel gewonnen.

Bischof Helder Camara weiß: „Der Lärm, der uns hindert, die Stimme Gottes zu hören, ist nicht, wirklich nicht, das Geschrei der Menschen oder das Fiebern der Städte und noch weniger das Sausen der Winde oder das Plätschern der Wasser. Der Lärm, der die göttliche Stimme erstickt, ist der innere Aufruhr gekränkter Eigenliebe, erwachenden Argwohns, unermüdlichen Ehrgeizes“. (Helder Camara, Mach aus mir einen Regenbogen, Zürich, 7. Aufl. 1989, 72.)

Eingeschränkte Kommunikation hat auch etwas Gutes

Es gibt mehr Zeiten in Stille und Einsamkeit. Ich schweige mehr als sonst. Ich komme zum Hören auf Gott, habe Zeit zum Nachdenken, und lasse in der Stille reifen, was sonst unreif bliebe. Und möchte dabei offen bleiben für die leise Stimme Gottes.

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