How to digitale Meetings

12. Juni 2020 | Lioba Diez und Anja Siebert-Bright | Spirit & Soul

Was ist wichtig, um menschenfreundlich und zielgerichtet digitale Sitzungen zu leiten?

Als geistliches Start-up begleiten wir von Spirit & Soul junge Erwachsene mit christlich-spirituellen Angeboten. Wir entwickeln unsere Angebote in kleinen Schritten, probieren sie direkt aus und lernen durch Rückmeldungen.

In den vergangenen Wochen haben wir erstmal digital angefangen und erste Formate ausprobiert. Wir haben z.B. „Meditation mit Gegenüber“ und Gottesdienste mit Begegnung über zoom durchgeführt.

Global Ecumenical Hangout

Kurzfristig hat Spirit & Soul auch ein internationales ökumenisches Projekt mit auf den Weg gebracht: das „Global Ecumenical Hangout“. Initiiert von der Ökumenepfarrerin Christina Biere aus Westfalen sind alle zwei Wochen Christ*innen aus aller Welt eingeladen, sich zu begegnen und auf englisch auszutauschen, wie Corona ihren Alltag, ihre Gemeinden und ihre Kontexte verändert.

„Wenn wir hier gemeinsam beten – wenn z.B. jemand aus Indien oder Sambia frei für uns alle betet – dann bekomme ich ein Gänsehautgefühl. Dann spüre ich etwas vom Leib Christi, – während ich zuhause vor meinem Computer sitze“, erzählt eine Teilnehmerin.

Das Projekt organisiert sich nun selbständig über die Facebook-Gruppe „Global Ecumenical Hangout.

How to

Bedingt durch die Kontakteinschränkungen haben wir so in den vergangenen Wochen unterschiedliche digitale Formate für alle Altersgruppen ausprobiert: Pfarrkonvente, Sitzungen, Vernetzungstreffen und spirituelle – auch internationale – Angebote, bei denen sich die Teilnehmenden teilweise gar nicht kannten. Im Folgenden stellen wir unsere Erfahrungen und Empfehlungen in Kurzform zur Verfügung.

  • Das Digitale hat seine eigene Qualität. Es ist ratsam, analoge Strukturen nicht einfach 1:1 ins Digitale zu übertragen. Im Vorfeld sollte sorgfältig geprüft werden: Welche Informationen können schon vorab verschickt werden bzw. wie kann der Informationstransfer auf andere Weise erfolgen?
  • Digitale Sitzungen sollten nicht länger als 90 Minuten dauern. Nach dieser Zeit lässt die Konzentration spürbar nach. Wenn es doch nötig sein sollte, braucht es entsprechend Pausen. Grundsätzlich sollte bei jeder (digitalen) Sitzung im Vorfeld geprüft werden: Wofür brauchen wir die Sitzung überhaupt? Was ist ihr Ziel? Auf welchem Weg wollen wir das Ziel erreichen? Was soll hinterher anders sein? Dies könnte auch der Moment sein, zu dem Schluss zu kommen, dass manche Sitzungen nicht nötig sind.
  • Es hat sich bewährt bei Sitzungen in größerer Runde neben der inhaltlichen Leitung auch eine technische Leitung der Sitzung zu haben. Diese kann z.B. während der Sitzung Kleingruppen-Räume (Break-Out-Rooms) einrichten, den Überblick über die Meldungen der Teilnehmenden halten, die Redeliste führen oder im persönlichen Chat ggfs bei technischen Fragen helfen.
  • Mehr noch als bei analogen Sitzungen braucht es eine gute Vorbereitung und Nachbereitung. Auch sollte im Vorfeld bedacht werden: Wie kann über das digitale Format Verbindung spürbar werden?
  • Da die informellen Gesprächsmöglichkeiten rund um eine digitale Sitzung begrenzt sind, ist es hilfreich, wenigstens vor der Sitzung den Raum für Plaudereien oder anderes „offen“ zu halten. Das heißt, der Sitzungsraum sollte schon vor dem offiziellen Sitzungsbeginn zugänglich sein. Am Ende der Sitzung ist es sinnvoll, wenn eine*r der Verantwortliche*n noch ein paar Minuten bleibt.
  • Das „Ankommen“ der Teilnehmenden zu Beginn der Sitzung ist wichtig. Es kann durch eine Wie geht‘s-Runde am Anfang geschehen oder durch Gespräche in Breakout-Rooms in kleiner Runde. Bei größeren Sitzungen kann das „Einchecken“ auch einfach dadurch geschehen, dass die Teilnehmenden vom host mit Namen begrüßt werden und sie den Impuls bekommen, dass auch sie kurz Hallo sagen…
  • Mehr noch als bei analogen Sitzungen ist Methodenwechsel sinnvoll (z.B. Breakout-Räume, Screensharing, Musik). Denn gerade bei digitalen (verpflichtenden) Treffen sind alternative Möglichkeiten die Zeit zu verbringen nur einen Klick entfernt (E-Mails checken, Zeitung lesen etc.)
  • Auch geistliche Formate und Andachten sind digital möglich. Spirituelle Formate online sind nochmal ein eigenes Kapitel. Hierzu werden wir im Herbst mit der Spiritualitätsbeauftragten der EKBO eine Online-Werkstatt anbieten. Hier nur so viel: Probiert es aus!
  • Auch Schweigen und Beten sind möglich. Es ist ein anderes Schweigen, wenn alle Mikrofone an sind oder alle leise gestellt sind. Gemeinsames Beten z.B. das Vater unser – auch mit offenen Mikrofonen – ist möglich. Es ergibt ein besonderes Klangerlebnis, was unterschiedlich empfunden wird.
  • Es ist hilfreich, gut vorbereitet und zentriert in die Sitzung zu gehen. Lieber weniger Sitzungen machen, und die gut vor- und nachbereitet.
  • Beginne pünktlich und beende die Sitzung pünktlich oder früher.
  • Weil es in der digitalen Sitzung weniger Möglichkeiten gibt, non-verbal verstanden zu werden, sollte die Sitzungsleitung auf andere Weisen Rückmeldung einholen. Zum Beispiel durch ein kurzes Zeichen – per Hand oder mit dem Reaktionsbutton – oder durch Umfrage, deren Ergebnis dann auch gleich den Teilnehmenden gezeigt werden kann (Aufgabe für die technische Leitung).
  • Meldungen während einer Online-Sitzung können entweder durch die Funktion „Handheben“ angezeigt werden oder auch im Chat „angemeldet“ werden. Die Beobachtung der Meldungen fällt z.B. in den Aufgabenbereich der technischen Leitung.
  • Nimm dir Zeit für das Ende der Sitzung. Dazu kann auch gehören, nochmal ein paar Stimmen der Teilnehmenden einzuholen; vielleicht auch speziell derer, die noch wenig oder nichts in der Sitzung gesagt haben.

Digitale Treffen zu planen und durchzuführen ist für uns alle Neuland. Es gibt noch viel zu entdecken! Mehr dazu findet ihr auf unserer Webseite.

Kontakt

Wenn ihr Anregungen oder Kritik habt, meldet euch gern unter: wir@spiritandsoul.org.

Titelbild: visuals auf Unsplash