Die Seelsorge in Zeiten von Corona

24. März 2020 | Dr. Tobias Kirchhof | midi

Am Sonntag meldete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, dass in Italien bereits jetzt über 50 Priester an dem Coronavirus gestorben sind. Die meisten von ihnen haben sich bei der Seelsorge angesteckt.

„Heldenhaft“ nennen diesen Dienst am Nächsten die einen. „Unverantwortlich“ könnte man ihn auch nennen.

Da suchen Geistliche, die in der Regel – aufgrund ihres eigenen Alters – selbst zur Risikogruppe gehören, bewusst die Nähe zu Hochinfizierten. Sie könnten sich so selbst anstecken. Sie könnten als neue Erkrankte die Kapazitäten des eh schon überlasteten Krankenhaussystems weiter überdehnen. Sie könnten bei Unachtsamkeit andere anstecken. In Zeiten von lebensrettender Distanz, erscheint solche Seelsorge geradezu fahrlässig.

Für mich zeigt sich hier exemplarisch die christliche Dimension einer Pflege- und Medizinethik, die „den Menschen“ als Ziel ihres Handelns glaubt und nicht (nur) „das Leben“.

Wer schon einmal einen Schwerkranken oder Sterbenden begleitet hat, weiß, dass das größte Geschenk menschliche Nähe ist. Gleiches gilt für die trauernden Angehörigen.

Digitalität und Telefonate sind gut und hilfreich, aber sie ersetzen nicht eine Hand, die sich auf eine andere legt und Nähe erlebbar macht.

Weil Gott uns nicht nur mit Leben beschenkt hat, sondern auch mit einer Seele, ist diese seelische Krankenpflege ebenso notwendig wie die Versorgung mit dem täglichen Brot oder der Atemluft, die für viele jetzt aus einer Maschine kommen muss.

Ich gehe davon aus, dass Seelsorger und – gut protestantisch auch – Seelsorgerinnen alles tun, um sich und andere vor Ansteckung zu schützen. So berichtet der 84-jährige Kapuzinermönch Aquilino Apassiti, dass er den Patienten „nicht mal ein Lächeln“ schenken kann, wenn er seine Atemschutzmaske im Krankenhaus trägt. (FAZ)

Dennoch geht er zu ihnen, spricht mit ihnen und ist bei ihnen. So steht er Seite an Seite mit den Pflegerinnen und Pflegern, Ärztinnen und Ärzten, aber auch Verkäuferinnen und Verkäufern, die sich selbst in Gefahr bringen, um anderen zu helfen.

Titelbild: Sharon McCutcheon auf Unsplash