Die relationale Gestalt von Kirche

27. Februar 2020 | Daniel Hörsch | midi

Rezension

Felix Roleder, Die relationale Gestalt von Kirche. Stuttgart 2020.

Ein Beitrag der Netzwerkforschung zur Kirchentheorie

Erst im November 2019 hatte der Tübinger Theologe und angehende Pfarrer Dr. Felix Roleder auf der midi-Herbsttagung zum Thema „Vernetzte Kirchengemeinde“ referiert und spannende Einblicke gegeben, wie Kirchengemeinde als Netzwerk wahrgenommen werden kann.

Ein Befund damals war: der regelmäßige Kontakt mit einem Menschen, der zur Kirche geht oder in einer kirchlich-diakonischen Einrichtung arbeitet, fällt genauso ins Gewicht, wie der Weihnachtsgottesdienst.

Kirchgänger*innen werden von Konfessionslosen oder Menschen anderer Religionen als Expert*innen für den christlichen Glauben wahrgenommen. Für Dr. Felix Roleder ist das eine zentrale Erkenntnis aus der V. EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft (V. KMU).

Aufgabe der Kirchenentwicklung ist es, das (Selbst-)Bewusstsein der Gottesdienstbesuchenden zu stärken. Oft ist den Menschen gar nicht bewusst, dass sie Botschafter des christlichen Glaubens sind.

Doch sprechen sie z.B. mit Agnostikerinnen oder Atheisten, dann wird der Austausch durch sie religiöser, das hat die Fallstudie der V. KMU gezeigt. Und auch Evangelische, die nicht zur Kirche gehen, fühlten sich durch solche Kontakte mit der Kirche verbundener („Wenn dir das wichtig ist, ist es für mich auch wichtig“).

Dr. Felix Roleder referierte auf der midi-Herbsttagung 2019 über die vernetzte Kirchengemeinde.

Systematische Analyse sozialer Netzwerke

Mit seiner Dissertation „Die relationale Gestalt von Kirche“ legt Roleder eine systematische Analyse sozialer Netzwerke vor, die neue Einsichten für den kirchentheoretischen Diskurs der Gegenwart liefert:

  • zum Vorkommen von Religiosität in Alltagsnetzwerken,
  • zur gesellschaftlichen Funktion von Religion als Sozialkapital
  • sowie zur Bedeutung von Sozialkontakten für das kirchliche Leben.

Die empirische Untersuchung zeigt u. a. auf, welche Rolle soziale Netzwerke dabei spielen, Teilnehmer und ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen, die Geselligkeit in Kirchengemeinden zu entwickeln, Menschen in Krisen zu unterstützen und als Kirche in die gesellschaftliche Öffentlichkeit hineinzuwirken.

Ausgehend von der Analyse konkreter Netzwerkphänomene verändert sich das grundsätzliche Verständnis davon, was Kirche ist.