Atlas neue Gemeindeformen

21. November 2019 | Daniel Hörsch und Louisa Winkler | midi

Innovative Formen von Kirche gibt es. Es gibt sie nicht nur in England oder in urbanen freikirchlichen Start-ups, sondern inmitten der evangelischen Landeskirchen der EKD.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und die Evangelische Kirche im Rheinland ermöglichen mit „Erprobungsräumen“ die Entstehung neuer Gemeindeformen innerhalb kirchlich-verfasster Strukturen.

Der ökumenische Fresh X-Netzwerk e.V. vernetzt nach anglikanischem Vorbild deutschlandweit Initiativen, Vereine und Gemeinden, die „frische Ausdrucksformen von Kirche“ sein wollen.

Der „Atlas neue Gemeindeformen“ macht Innovationen sichtbar

211 Initiativen, Vereine und Gemeinden sind im Atlas nach geografischer Lage und landeskirchlicher Zuordnung abgebildet. Im Auftrag der EKD und in wissenschaftlicher Begleitung durch das IEEG Greifswald hat midi diese neuen Gemeindeformen und innovativen christlichen Sozialformen aus den evangelischen Landeskirchen untersucht. Sie zählen zusammen 1.200 Hauptamtliche und 12.000 Ehrenamtliche. Befragt wurden die Initiativen über ihre Gemeinschafts- und Gottesdienstkultur, Reichweite und Kooperationen in den Sozialraum und ihre missionarische Ausrichtung.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Ökumenisch statt evangelisch

Knapp die Hälfte der neuen Formen von Kirche ist Teil kirchlich-verfasster Strukturen, nur ein Drittel bezeichnet sich als eigenständig. Dennoch verstehen sich die befragten Initiativen mehrheitlich als „christlich“ oder „ökumenisch“ und weniger stark als „evangelisch“.

Junge Erwachsene sind in neuen Gemeindeformen zuhause

Neue Gemeindeformen durchbrechen traditionelle kirchliche Milieugrenzen. Vor allem junge Erwachsene und Menschen aus mittleren Altersgruppen finden in ihnen ein geistliches Zuhause und engagieren sich ehrenamtlich. Teilnehmende setzen sich für die Treffen neuer Gemeindeformen orts- und stadtteilübergreifend in Bewegung. Es handelt sich bei ihnen genau um solche Menschen, deren Wegbleiben von „klassischen“ Formaten in den beiden großen Kirchen beklagt wird.

Die Verbundenheit zur Parochie ist stark

Kirchengemeinden, die Haupt- und Ehrenamtlichen Freiräume zum Erproben neuer Formate innerhalb kirchlicher Strukturen geben, werden mit einer hohen Verbundenheit der Initiativen zur Parochie belohnt. Stellenweise herrscht Arbeitsteilung, so schicken die neuen Gemeindeformen Täuflinge oft in die nahegelegenen Ortsgemeinden.

Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Neue Gemeindeformen sind besonders offen für Suchende und Unentschiedene im Glauben. Bei ihnen steht das Gemeinschaftserlebnis im Mittelpunkt, das zeigt sich auch darin, dass sie sehr häufig das Abendmahl miteinander feiern. Der Großteil der Initiativen schätzt seine missionarische Ausstrahlungskraft in den Sozialraum hoch ein.

Essenziell sind Stellen und Freiräume für Haupt- und Ehrenamtliche

„Damit sich innovative Kirchenformate nachhaltig entwickeln können, braucht es ausreichend Stellen für Hauptamtliche und Freiräume für Ehrenamtliche in der Kirche, die solche Initiativen vor Ort unterstützen und vorantreiben können. Das haben die Ergebnisse der Erhebung uns klargemacht.“, sagt Daniel Hörsch, Sozialwissenschaftlicher Referent bei midi und Autor des „Atlas neue Gemeindeformen“.

Dr. Erhard Berneburg, Direktor von midi, machte anlässlich der Vorstellung des Atlas auf der EKD-Synode 2019 in Dresden deutlich:

Die EKD hat die Aufgabe, dem protestantischen Sowohl-als-auch viel Raum zu geben, damit sich traditionelle und innovative Gestalten von Kirche gleichrangig entfalten können.