Ann Morisy: Inklusive Mission

27. April 2020 | Louisa Winkler | midi

Über „Inklusive Mission“ sprach die britische Theologin und Autorin Ann Morisy Anfang März 2020 auf der Amtsleitendenkonferenz der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD). In diesem Artikel finden Sie wichtige Gedanken aus Morisys Vorträgen, die Videoaufnahmen mit deutscher Übersetzung und dazu passendes Arbeitsmaterial.

Inklusion in der Bibel

Die kanaanäische Frau trifft Jesus

„Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort.

Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“ (Mt 15,22-26)

„Jesus hatte auch Probleme mit Inklusion“

Hat Jesus die Frau wirklich „Hund“ genannt? Wenn Jesus nie sündigte, war diese diskriminierende Beleidigung dann etwa keine Sünde? Oder hat Jesus doch gesündigt? Vor dieses Dilemma stellt Morisy ihre Zuhörer*innen in einer Bibelarbeit zum Thema „Practicing Inclusion“.

Die Theologin geht davon aus: Jesus sprach und handelte gemäß der Prägung durch seinen kulturellen Kontext und in Sachen Inklusion konnte selbst er noch etwas dazulernen. Zum Beispiel von der kanaanäischen Frau, der einzigen Person in den Evangelien, die schlagfertig auf eine Absage von ihm reagierte.

„Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“ (Mt 15,27-28)

Hat diese Begegnung Jesus wachgerüttelt?

Hat diese Begegnung Jesus wachgerüttelt und dazu beigetragen, dass er sich als Retter für Juden und Heiden verstand? Morisy zeichnet an der Geschichte aus dem Matthäus-Evangelium die Bedeutung von Dialog und Kommunikation für den Menschen nach: „Durch Gespräche verändern wir uns und wie wir die Welt sehen“. Wie sonst hätte Jesus von dem Glauben der ausgegrenzten kanaanäischen Frau erfahren und ihr helfen können?

  • Wie Jesus mit der Samaritanerin am Brunnen (Mk 7; Joh 4,7-26) „praktische Inklusion“ gelingt, erfahren Sie im Video zur Bibelarbeit von Ann Morisy.
„Practicing Inclusion“ – Bibelarbeit der britischen Theologin und Autorin Ann Morisy im März 2020.

Gesunde und ungesunde Religion

Im Vortrag „Inclusive Mission“ verwendet Ann Morisy zur Begriffsklärung von „Mission“ das Konzept der informellen Bildung (informal education).

Menschen auf Mission lernen etwas Neues

Morisy berichtet von Fresh X-Initiativen aus dem Londoner Kontext, die sozialräumlich arbeiten und auf ihrer Mission von den Bedürfnissen der Nachbarschaft (aus)gehen. Da ist ein Pastor, der um 2 Uhr in der Nacht Flip Flops und Wasserflaschen unters Partyvolk bringt oder eine Ehrenamtliche, die zuhört, wenn Menschen zwischen den Clubs über ihre Sorgen sprechen wollen. Wichtig ist, dass die Geistlichen im Einsatz für die Nachbarschaft durch ihre Begegnungen etwas über das Evangelium lernen und in der Mission auch selbst berührt und verwandelt werden.

Gesunde Religion: Menschen lernen sich selbst kennen

„Religion ist eine toxische Marke geworden“, merkt Morisy an. Besonders deutlich werde das im Kontext der Globalisierung. Menschen in Bewegung, die einer Religion angehören, würden oftmals als Problem wahrgenommen.

Gesunde Religion indoktriniert nicht, sondern hilft Menschen für sich selbst zu denken.

Die Theologin stellt klar: Religion kann gesund oder ungesund (toxisch) wirken. Im Hinblick auf Mission heiße das für „missionarisch Aktive“, sie sollten:

  1. Metaphern und Analogien aus der Bibel erkennen und verstehen
  2. Bescheiden auf das sehen, was sie glauben
  3. Betonen, wofür sie sind und nicht wogegen

Ann Morisiy ist überzeugt: Gesunde Religiosität öffnet für Neues, hilft Menschen, sich zum Besseren zu verändern und fördert ihre Widerstandskraft (Resilienz).

Ann Morisy spricht über „Inclusive Mission“. In Teil 1/2 des Vortrags geht es u.a. um gesunde und ungesunde Religion, März 2020.

Transformation durch Glauben

Der Glaube wirkt sich auf unsere Einstellungen gegenüber den Umständen des Lebens aus, so Morisy. Wenn innere Einstellungen sich ändern, können die Handlungen, die daraus folgen, weite Kreise ziehen.

Ann Morisy spricht über „Inclusive Mission“. In Teil 2/2 des Vortrags geht es u.a. um Transformation durch Glauben, März 2020.

Titelbild: Carli Jeen auf Unsplash